Exodus

Leer steh’n rost’ge Kübel,
Geier stoßen hart hernieder –
Hag’re Leichen baumeln

An den Galgen vor der Stadt.

Eis kriecht unter Kleider,
Menschen haben schwarze Füße –
Vom Pferde lassen Reiter
Wo entzwei ihr Kopf gemacht.

Frost ist in den Himmeln,
Münder speien weiße Wolken –
Ruhig fahren Säbel
In die Rücken schnell und glatt.

Steingebaute Brücke,
Weiches Licht der letzten Sonne –
Wärme heißt die Tücke

Die auf Marmor jäh zerbricht.

Bäume fallen lautlos,
Trübe Augen blicken leer –
Still liegt ein Kind im Moos,
Für den Heimweg schon zu matt.

Der Herr erschlägt den Hund,
Verzagt tönen Glocken von Fern –
Blaues Gedärme wund
Dampfend in der Kälte quillt.

Entstehungsdatum: 1988

Einkehr

Ausgefranstes Graugewölk,
Baldigen Regen verkündend
Hinter blutgrünen Buchen.

Das Dorf auf dem Hügel davor,
Weiß getüncht das alte Gemäuer,
Verwinkelte Wege gebietend.

Einkehr gewährt es dem rastlosen Ich.
Der Blick, verstört, taucht in Jahrhunderte ein,
Fasst in Eins die Tiefe der Zeiten.

Entstehungsdatum: 07.07.2006

Duftiger Holzschnitt

Duftiger Holzschnitt –
Voll der Mond liegt auf dem Kirchdachgiebel,
Geruch aus einem Saxophonkelch nach dem Üben.
Ewigkeit in Momente eingelegt.

Ich, seeliges Ich –
Der Wagon ist fremd, der Zug nicht hält,
Menschen ohne Knigge, kein Gefühl für Harmonie.
Doch ich Fürchte mich nicht.

Gebe Acht und sperre zu –
Maschinen die nicht mehr stampfen,
es rattert, rattert, rattert nicht mehr im Biotop.
Im Wasser Schifflein gleiten.

Du, schiefes Du –
Orchestralen Kosmos und Kultur bewahren,
von geborstenem Brillenglas besplittert der Boden.
Ich atme aus und aus.

Entstehungsdatum: 12. Februar 2008

Mattscheibe

Bleigrüne Flimmerhorden zieh’n über’s Land.
Sie verwüsten und morden im festen Verband.
Schon schnalzen die Peitschen auf der Herren Rücken;
Kaum dass die balzen um der Freiheit Krücken.

Und dann schmerzt die Wunde (den ein‘ oder ander’n),
Wo vom Hirn in die Lende eine Narbe tut wandern:
D’runter knorrige Äste in die Glieder schon hau’n,
Äste vom Kabelbaum.
Entstehungsdatum: 1986

Draußen

Brockiges Blut stockt in deinen Adern.
Die Schonzeit zum Atmen ist abgelaufen.
Schwarze Nägel wachsen aus den holdesten Zügen

Ins Freie wo sie verwittern.

Es gibt schon längst nichts mehr zu betrauern.
Du spürst deinen Kehlkopf schwellen
In den schwitzigen Krallen

Beamteter Zeitnehmer ihrer Herr’n.

Wo sollst du schon beginnen?
Sie messen genau,
Tragen Unterhosen in grau;
Du wirst dann gefragt wenn sie gewinnen.

Viel ist geschafft, man erregt und bewegt,
verkauft Langeweile nach Plan,
Noch viel mehr wird morgen getan;

Was nicht verhindert wird zählt.

Entstehungsdatum: 14.02.1987